Wintersonnenblende

2018-02-26, posted in Ausrüstung, DIY, Langzeitbelichtungen, Lightpainting, ZubehörDIY – Lightpainting mit Glasfasern

Hallo, Freunde der Nacht!

Verrückt. Da hat mir der Olympus Perspective Playground 2017 im Berliner Kraftwerk so viele neue Inspirationen im Bereich des Lightpaintings gegeben und dann ließ dieser Beitrag hier dennoch so lange auf sich warten. Doch worum geht es? Ach, steht ja bereits in der Überschrift. Aber fangen wir von vorne an.

@feelingeigenart hat dort nämlich ein Foto von Sandra, alias GREENSHADESOFRED und mir gemacht:

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Aufnahme von @feelingeigenart

Dabei nutzte sie Glasfasern, um das Licht gezielt in Bahnen zu lenken.
Glasfasern sind dabei wirklich tolle Lichtleiter, haben jedoch auch einen extremen Nachteil: Sie leuchten generell nach allen Seiten!

Somit lassen Sie sich zwar wunderbar für entfernte Streulichteffekte nutzen, sind jedoch normalerweise für Detailaufnahmen eher ungeeignet, weil sie das Licht nicht gezielt weiter geben, sondern die komplette Umgebung mit erhellen.

Die auf dem Playground entdeckte Variante war dort anders. Die einzelnen Fasern waren schwarz beschichtet und somit nur die Spitzen erhellt.
Das wollte ich auch und ich bin auch schnell fündig geworden.

Hier kommt das DIY-Ergebnis!

 


Während meiner Internetsuche habe ich mich von Glasfasern als Einzelprodukt relativ schnell verabschiedet. Stattdessen forschte ich nach Billigprodukt-Glasfaserleuchten aus Fernost, die man günstig verbasteln könnte. Dabei bin ich bei Amazon auf einen Pearl-Artikel gestoßen, der sich von den üblichen Glasfaserleuchten in einem wesentlichen Punkt unterscheidet.

Die “PEARL Glasfaserleuchte: Glasfaserlampe “Lounge 80” mit LED-Farbwechsler” ist nämlich wie gewünscht über die komplette Länge schwarz beschichtet und lässt nur Licht an den Enden durch. Dadurch wird der Streulichtfaktor komplett eliminiert.

Volltreffer! Für ein kleines Budget von knapp 10 Euro erhält man somit ein schönes Bündel schwarzer Glasfasern, die zu Spielereien einladen.


So sieht die Lampe aus:IMG_9781

Kennt sicherlich jeder. Hier einmal ein Beispiel für die normale Lichtwirkung bei Tageslicht:IMG_9780

Dies schreit natürlich nach mehr Power! Hr, hr, hr.


Um dies zu erreichen, wurden entgegen der Warnhinweise der beigefügten Gebrauchsanleitung unten fix die zwei Schrauben gelöst und das Innenleben entnommen.

Wer jetzt sonderlich viel Technik erwartet hat, wird leider enttäuscht.

IMG_9782

 


Der Beleuchtungskörper selbst könnte mit seinem Farbwechsler unter Umständen noch ganz lustig für andere Lichtspielereien werden und wird erst einmal zur Seite gelegt.

IMG_9783

 


So sieht die zukünftige Verknüpfung aus:IMG_9787

 


Um euch eine grobe Vorstellung davon zu geben, wie es funktioniert, hier kurz gezeigt. Die Taschenlampe kommt an das eine Ende…IMG_9786
…und am anderen Ende kommt dann das Licht heraus!IMG_9784

 


Hier noch mal der Vergleich zur Original-Lichtleistung.

Vorher:IMG_9789
Nachher (und die Taschenlampe war nicht einmal auf voller Leistung):IMG_9788

Natürlich ist es für den eigentlichen Einsatz noch nicht praktikabel. Der Plastiktrichter musste chirurgisch entfernt werden. Bei mir kam der hauseigene Dremel zum Einsatz und innerhalb weniger Minuten hatte ich nur noch das notwendige Innenleben, welches das Glasfaserbündel zusammen hält.


Als nächstes benötigt man neben der Taschenlampe eine Rolle Toilettenpapier, ein Cuttermesser und Gaffatape (nicht im Bild).IMG_9799

 


Die Rolle wurde in der Länge ein wenig gekürzt, damit sie nicht zu lang ist und einmal der Länge nach eingeschnitten, damit man eine Trichterform erreicht.

Mangels doppelseitigem Klebeband habe ich den Büschel kurzfristig so fixiert:IMG_9801

 


Nun wird mittels Klebeband die Rolle sowohl um Büschel, als auch Taschenlampe befestigt.IMG_9802

 


Dann mit dünnen Klebestreifen den vorderen Bereich überkleben, damit das Büschel nicht nach vorne heraus fallen kann. Später dann mit breiten Klebestreifen die komplette Fläche abkleben.
Zwischendurch mal die Taschenlampe einschalten, um sich zu vergewissern, dass kein Streulicht vorne zu sehen ist. Falls ja, weiter abkleben.

IMG_9803

 


Die Klebestreifen sollten so fest drüber geklebt werden, dass man die Rolle noch gut von der Taschenlampe abziehen kann, sie aber nicht von selbst abfällt. Es darf also ruhig ein wenig stramm drauf sitzen.

IMG_9804

 


Von Innen sieht es dann übrigens so aus:IMG_9805


Hier das Ergebnis mit der schwächsten Stufe der Taschenlampe:IMG_9809
Hier auf höchster Stufe:IMG_9807
Und weil es so schön ist, hier noch mal als Büschel im Dunkeln:IMG_9816

 


Doch was macht man jetzt damit?

Wer bis hier hin durchgehalten hat, bekommt nun noch zwei Fotos zu sehen, die mit dem Teil entstanden sind. Man streicht mit dem beleuchteten Glasfaserbüschel wie mit einem Pinsel über den Körper oder über sonstige Gegenstände und je nach Winkel und wie breit gefächert man damit hantiert, erzeugt man unterschiedliche Effekte.

Da ich mich schlecht selbst anmalen konnte, hat dies Sandra von Green Shades of Red für mich erledigt. Sie kennt sich nämlich mit Pinseln aus, da sie durch ihre Leidenschaft für Kosmetik definitiv mehr Erfahrungswerte als ich in diesem Bereich sammeln konnte.
Schaut mal bei ihr vorbei, dort gibt es neben Naturkosmetik, leckeren Rezepten und Frisuren noch viel mehr rund um das Thema “Grünes Leben”.


Aber zurück zum Thema:
Ich persönlich nutze für meine Lightpainting-Sessions gerne den Live Composite Modus meiner Olympus OM-D E-M1.
Dieser merkt sich sozusagen das vorhandene Licht und addiert in der Aufnahme dann nur noch weiteres Licht hinzu. Dadurch bleiben die schwarzen Flächen auch weiterhin schwarz. Egal, wie lange die Aufnahme dauert. Macht das Lightpainting weniger hektisch, bricht aber mit so ziemlich allen Anleitungen, die man sonst so zum Thema im Netz findet, weil man keine feste Zeitdauer mehr definiert.


Natürlich geht Lightpainting aber auch wunderbar mit herkömmlichen Kameras. Dies beweisen tagtäglich (oder nächtlich) sehr viele Fotografen, deren Fotos zum Beispiel auf 500px zu finden sind. Eric Paré ist da meinerseits ein großes Vorbild.

Für herkömmliches Lightpainting stellt man seine Kamera auf einen möglichst geringen ISO-Wert ein und definiert je nach Helligkeit eine festen Aufnahmezeit von z.B. 3 Sekunden. Es können aber auch schnell mal 30 Sekunden werden. Ist von der Situation abhängig.

Allein ist so eine Aufnahme ein schwieriges Unterfangen, weil man gleichzeitig den Auslöser drücken und auch die Performance durchführen müsste. Daher empfiehlt sich mindestens eine zweite Person, die für einen auf Kommando den Auslöser drückt und man befestigt die Kamera am Besten auf einem Stativ, damit die Aufnahme nicht verwackelt
.
Timing ist sehr wichtig und sicherlich klappt es nicht gleich beim ersten Mal. Wenn man sich aber aufeinander eingespielt hat und die ersten tollen Ergebnisse im Kasten sind, macht es richtig Spaß.


Wer Blut geleckt hat, findet vielleicht auch noch Inspiration in folgenden Beiträgen:

I want you for Lightpainting!

DIY – Lichtschwerter für Lightpainting!

DIY – Noch mehr Lichtschwerter für Lightpainting

DIY – Lightpainting mit Acrylglas


Probiert es mal aus und schickt mir den Link zu euren Fotos. Ich verlinke sie dann auch gerne hier nachträglich im Beitrag.

geschrieben von Carsten Winter

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