Wintersonnenblende

2017-04-01, posted in Allgemein, Anfänge, Fotobuch, WorkflowMein schönstes Ferienerlebnis, Teil 2

Wie bereits neulich geschrieben, habe ich mir ein Fotobuch bei Saal-Digital gegönnt.
Der letzte Beitrag widmete sich ja der reinen Gestaltung – doch nun kommt endlich die Haptik ins Spiel.


Es ist da! Sogar schon eine ganze Weile, denn der Versand ging superschnell. Liebevoll eingepackt in Polstermaterial und Umkarton konnte das Buch gut geschützt meine Lieferadresse erreichen und wurde sogleich von mir in Augenschein genommen.

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Nahaufnahme der Vorderseite mit Schriftzug “Wintersonnenblende”

Mir war es zudem wichtig, in diesen Erfahrungsbericht auch die Meinungen anderer Personen mit einfließen zu lassen, daher brauchte ich ein paar unabhängige Testkandidaten, die mir ihr Feedback dazu gaben.


Vieles wird nach dem Äußeren beurteilt!

Was auf Menschen zutrifft, gilt auch für das gedruckte Werk, daher fange ich mit dem Cover an. Hier wählte ich ja eine wattierte Covergestaltung in matten Farben. Dadurch wirkt es bereits sehr hochwertig, ohne dass man es überhaupt aufgeklappt hat. Hält man es in den Händen, fühlt es sich einfach gut an. Die Wattierung gibt bei festerem Druck leicht nach. Das von mir gewählte Foto, welches sich über Vorder- und Rückseite erstreckt, wirkt matt sehr edel. Hier hatte ich absichtlich nicht die glänzende Variante gewählt, weil ich befürchtete, dass auf Dauer der Glanz durch Abrieb geschmälert wird und es irgendwann abgegrabbelt aussieht.

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Vorderseite des Fotobuchs mit Schriftzug “Wintersonnenblende”
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Rückseite des Fotobuchs

Die Schrift auf der Vorderseite und auf dem Buchrücken ist durch die Farbauswahl nicht aufdringlich und fügt sich somit harmonisch in das Gesamtbild ein.
Ich habe den Schriftzug “Wintersonnenblende” absichtlich in verschiedenen Farbabstufungen gestaltet. Es beginnt schwarz und endet in Grautönen, da der Fotobereich hinter der Schrift unterschiedlich hell daher kommt.
Dies hat ausgezeichnet funktioniert, denn so ist alles gut lesbar.

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Aufgeklapptes Fotobuch, mit Beschriftung “2017” auf dem Buchrücken

Innere Werte sind wichtig!

Innen entfaltet (muahahaha – Wortspiel!) sich die Schönheit der “extra thick”-Buchseiten. Das Durchforsten der Seiten wird dadurch zu einem ganz neuen Erlebnis, welches man aus jüngeren Jahren bei Kinderbüchern kennt. Es gibt kein husch husch Umblättern, sondern man greift bewusst zur nächsten Seite und lässt sich vom weiteren Inhalt überraschen. Daumenkino ist somit nicht möglich. Der Blick wird entschleunigt und wird somit einem Fotobuch gerecht, dessen Aufgabe es schließlich ist, die ungeteilte Aufmerksamkeit auf jedes einzelne fotografische Objekt zu richten.

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Unabhängige Testperson (es fand während des Tests keine Beeinflussung durch die Bereitstellung von Katzen-Leckerlies statt)

Drückt man das Buch also jemanden in die Hand, kann er nicht mal eben schnell durchblättern, sondern muss schon bewusst zu jeder Seite greifen. Dadurch überblättert man nicht so einfach Fotos, die erst auf den zweiten Blick richtig wirken. Man lässt sich mehr Zeit.

Im Gegensatz zum Cover hatte ich bei der Innengestaltung nicht matte, sondern glänzende Seiten gewählt. Kommt sehr stylisch rüber, wenn man seine eigenen Fotos wie in einem Hochglanzmagazin betrachtet.

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Nahaufnahme des Seiten-Überganges bei kräftigen Farben in Hochglanz-Optik

Dennoch bin ich skeptisch, ob mir nicht auch hier eine matte Auswahl besser gefallen hätte. Bleibt wahrscheinlich immer eine Frage des persönlichen Geschmacks. Generell bin ich ein Freund von matter Optik, weil sich diese mit Erdfarben und Naturbildern meines Erachtens sehr harmonisch verhält.


Auf den kleinen Bildern kann man es gut sehen. Bei den Hochglanz-Fotos mit kräftigen Farben sind die Übergänge gut. Hat man zwei Fotos mit völlig schwarzem Hintergrund, erscheint der Seitenübergang natürlich mit einem schwachen weißen Streifen.
Es ist natürlich völlig klar, dass man so etwas nie vermeiden kann, denn eine Knickfalte wird immer die eigentliche Farbe des Papiers widergeben und die muss nun mal weiß sein. Dennoch erscheint dieser Übergang durch die Hochglanzoptik kräftiger und bestärkt mich darin, demnächst mal matte Fotos zu wählen.
Ganz rechts das Bild zeigt zwei Fotos mit stärkerer Körnung in Grautönen. Dort fällt es so gut wie gar nicht auf.


Neverending Story?

Kommen wir noch mal auf die Anzahl der Buchseiten zu sprechen.

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Nahaufnahme der “extra thick” Seiten

Im ersten Teil hatte ich ja bereits erwähnt, dass hier die maximale Seitenzahl auf 36 beschränkt ist. Im ersten Moment war dies ein Horror für die Fotoauswahl. Ich wollte ja unbedingt für jedes Foto eine komplette Seite verwenden – hatte auch weitaus mehr als 36 Fotos in der engeren Auswahl. Die Qual der Wahl beschäftigte mich somit fast den ganzen Abend, als es um die Gestaltung ging.

Doch was soll ich sagen? Im Nachhinein war dies gut so! Die Begrenzung zwang mich dazu, von einigen Fotos kurz vor der Zielgeraden Abstand zu nehmen und die Auswahl stark zu verkleinern. Bei denen, die übrig blieben, wusste ich nun: “ja – das sind definitiv die Fotos, die ich in meinem Buch haben möchte!”

Seien wir zudem mal ehrlich. Wenn ich das Fotobuch jemanden in die Hand drücke, kann ich auch nicht erwarten, dass die Aufmerksamkeitsspanne für mehr als 36 Fotos ausreicht. Die Menschen sind schnellere Schnitte in Kinofilmen gewohnt, über ihre smarten Telefone erreichen sie binnen kürzester Zeit viele Nachrichten via WhatsApp, SMS, Facebook Messenger und sonstigen Internetdiensten. Das Konsumverhalten wurde beschleunigt und Interessen flauen sehr schnell ab und wollen durch neue Reize ersetzt werden.

Wenn sich also jemand mein Album ansieht und tatsächlich bis zum Schluß durchhält, dann kann ich wenigstens sicher sein, dass auch die letzten Fotos nicht zwingend halbherzig betrachtet wurden und der Mensch kopfmäßig schon beim nächsten Thema ist.


Womit wir auch schon beim externen Feedback sind!

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Auszug aus dem Fotobuch, eifrig beschnuppert

Natürlich bin ich voreingenommen von dem Album. Es sind meine Fotos, ich habe die Reihenfolge selbst zusammen gestellt und die Gestaltung meinen Wünschen angepasst. Wenn es mir nicht gefallen sollte, dann habe ich im Vorfeld irgend etwas falsch gemacht oder bin von ganz anderen Umständen ausgegangen. Dem ist aber nicht so.

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Ein weiterer Auszug aus dem Fotobuch

Es gefällt mir ausgezeichnet – bis auf eine einzige Sache, die ich selbst zu verantworten habe:
Fotos im Hochkantformat habe ich auf den rechten Seitenrand gelegt, so dass man das Buch quer halten muss, um sie wieder hochkantig betrachten zu können. Dadurch ist die linke Buchseite unten und die rechte Buchseite oben. Die rechte Buchseite ist meisten schwerer, weil ja noch viele Seiten folgen und es fühlt sich irgendwie nicht völlig natürlich an, das Buch nach links kippen zu müssen. Ein Kippen nach rechts wäre harmonischer gewesen. Darauf wurde ich von einem Freund hingewiesen. Selbst ist es mir bis zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst aufgefallen, aber es stimmt.
Vielleicht liegt es daran, dass ich Rechtshänder bin und somit die “stärkere” Hand die schwerere Seite oben halten musste, statt unten. Man hätte es besser im Griff gehabt.
Beim nächsten Buch werde ich jedenfalls mal die andere Variante ausprobieren.

Ansonsten gab durchgehend positive Resonanz seitens der Betrachter. Die meisten stimmten zu, dass man doch recht selten ein Buch in den Händen hält, dessen Cover wattiert und Seiten so dick sind. Allerdings haben sich auch viele ein bisschen über den Preis erschrocken und waren sich einig, nicht so viel Geld dafür ausgeben zu wollen.
Kann ich verstehen – andererseits handelt es sich für mich um ein persönliches Liebhaberstück, welches mir diesen Aufpreis wert ist.

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Schrägansicht des Fotobuchs mit unabhängiger Testperson

Gleichzeitig ist es wirklich wunderbar, es fremden Personen als Referenz in die Hand drücken zu können und damit zu vermitteln, dass man es durchaus ernst mit der eigenen Fotografie meint.


Fazit:
Saal-Digital hat wirklich eine schöne Umsetzung meiner Wünsche abgeliefert. Die Gestaltung am Rechner wurde hunderprozentig umgesetzt und ich bin vom Resultat wirklich begeistert. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass ich auch in Zukunft das ein oder andere Fotoalbum dort anfertigen lasse. Die Wattierung und die extra dicken Seiten sehe ich dieses Mal als Bonus, jedoch werden sie sicherlich nicht ihren Weg in jedes meiner Bücher finden. Es ist ein nettes Extra, dennoch werden mir meine Werke sicherlich auch auf üblichen Fotopapier gefallen. Angesichts der Dinge, die ich mir im Fotoequipment-Bereich noch so kaufen möchte, lege ich meine Prioritäten zukünftig wieder anders und spare mir die Zusatzkosten für die Luxusauführung (welche allerdings ihren Preis wert sind!).

Mein Bücherregal ist um ein hochwertiges Exemplar reicher geworden.

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Hier bekommt man Qualität in die Pfoten
geschrieben von Carsten Winter

Ein Kommentar zu “Mein schönstes Ferienerlebnis, Teil 2”

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